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1952

The Lepidopterists' News

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tJBER DEN WERT WENIG BEACHTETER MERKMALE FUR DIE KLASSIFIKATION DER SCHMETTERLINGE

(On the Value of Little Noticed Characters for the Classification of the Lepidoptera)

von Th.A. Wohlfahrt

Wahrend man friiher die Einteilung der Schmetterlinge nach ausseren Merkmalen vornahm und in Farbung und Zeichnung, im Geader, den Fiihlern, Palpen und Beinen allein wesentliche Unterschieds-merkmale sah, wurden spater bekanntlich anatomische Einzelheiten bei der Bestimmung zugezogen. Der taxonomische Wert der feineren Korpergliederung, der Genitalarmaturen, der Tympanalorgane, der Geschmackskegel wurde erkannt und zur Grundlage der Abgrenzung der systematischen Einheiten gemacht, wobei eine immer grossere Annaherung an ein phylogenetisch begriindetes System erfolgte. Je niedriger die Kategorie wird, desto schwieriger ist erfahrungsgemass die Trennung, desto subjektiver wird die Einstellung der Einheit gegeniiber. Eine letzte Klarung ist wohl nur von unten her moglich, indem man von der kleinsten Kategorie ausgeht, von der Population. Sie bewohnt ein raumlich eng umgrenztes und verhaltnismassig leicht iibersehbares Gebiet, welches von biologischen und okologischen Faktoren bestimmt wird. Ihr Studium eroffnet das Verstandnis fur den Komplex der sogenannten geographischen Rasse, die sich aus vielen Populationen zusammensetzt (Burgeff 1951). Die Individuen verschiedener geographischer Rassen, die untereinander noch unbeschrankt fortpflanzungsfahig sind, pflegen wir unter dem Begriff der Art zusammen-zufassen, doch haben Entomologie und Ornithologie wie das studium der Molluscen gelehrt, dass der phylogenetische Zusammenhang raumlich weit entfernter Rassen den Rahmen des klassischen Artbegriffes sprengen kann. Wir gelangen so zum Rassenkreis (Rensch 1926). Alle diese Kategorien sind nicht immer leicht zu trennen, zumal die Verwendbarkeit der einzelnen taxonomischen Merkmale sehr verschieden ist. Was bei der einen sichere Ergebnisse liefert, kann bei einer anderen vollig unbrauchbar sein. Die Merkmale zur Unterscheidung von Rassen sind zumal bei den Schmetterlingen gegeniiber den Unterscheidungs-merkmalen der hoheren Kategorien oft bes-onders schwer darzustellen. Sie werden deshalb haufig durch Worte umschrie-ben, die eine recht verschiedene Deutung zulassen. Es zuzugeben, dass die oft so distinkten charakteristischen Farbnuancen der Schmetterlinge kaum zu bezeichnen sind. Umso mehr sollte man versuchen, auch exakt messbare Merkmale zu finden.

Im Hinblick auf die gegebenen Tatsachen miissen zwei Dinge gesondert erwahnt werden. Jedes erbeutete Individuum gehort einer Population an und stellt einen realisierten Fall ihrer Variationsbreite dar, die uns a priori unbekannt ist. Ausserdem reprasentiert es einen Phanotypus, dem wir nicht ansehen konnen, wie weit seine Merkmale durch Modifikation oder durch verschiedenartige Erbfaktoren bedingt sind. Die ideale Losung ist die genetisch-entwicklungsgeschichtliche Analyse. Sie konnte bisher nur in wenigen Fallen bei Schmetterlingen durchgefiihrt werden, wie bei Ephestia kuhniella

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Z. durch Kiihn und seine Mitarbeiter (Kiihn und Henke, 1929). Eine Analyse der Zeichnungselemente durch Auszahlen der Schuppen ist bei grosseren Faltern sowieso praktisch kaum durchfiihrbar, abgesehen davon bereitet die Beschaffung von grosseren Freilandserien von benachbarten Lokal-formen oder auch von Arten zur Variationsanalyse meist erhebliche Schwierig-keiten. Eine exakte Diagnose ist aber in jedem Fall erforderlich. Zum anderen: Die Beschreibung einzelner ''Rassen" erfolgt wegen der erwahnten Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung mitunter rein intuitiv auf Grund von wenigen Exemplaren, so dass Variationsbreite und Modifikabilitat uner-kannt bleiben, von moglicher Kolonievariabilitat ganz abgesehen. Die Exis-tenz irgendwie umweltbedingter Unterschiede auch bei Schmetterlingen ist evident, doch haben viele ihrer Benennungen wohl nur heuristischen Wert, solange die feineren Zusammenhange unerkannt bleiben. So sind zum Beispiel vom Segelfalter Iphiclides podalirius L. eine Menge angeblich geo-graphischer Rassen beschrieben worden, deren Unterschiede sich fast allein auf die 2. Generation beschranken (Lempke, 1932/33). Wenn auch bei zweibrutigen Schmetterlingen der gemassigten Zonen in der 2. Generation infolge der gegeniiber der Diapause abgekiirzten Entwicklung und ihrer erhohten Beeinflussbarkeit durch aussere Faktoren eine grossere Modifikabilitat gegeben scheint, so ist es doch unwahrscheinlich, dass sich die 1. Generation iiberhaupt nicht analog differenziert haben soil.

Um diesen Fragen nachzugehen, haben wir in den vergangenen Jahren die zeitliche Variabilitat des Segelfalters untersucht. Hierbei waren folgende Punkte zu beachten. Zunachst durften nur Freilandtiere einer einzigen Population verwendet werden, ferner waren die Untersuchungen iiber mehrere Jahre auszudehnen. Es mussten planlos moglichst grosse Serien gesammelt werden, wobei aber die Art nicht zu sehr dezimiert werden durfte, um den Bestand zu erhalten. Es wurden deshalb hauptsachlich die haufigeren $ $ verwendet, die wenigen erbeuteten 9 ? zeigen dieselben Ergebnisse mit wenigen Ausnahmen, die auf das zu geringe Material zuruckzufiihren sind. Ausserdem war der Witterungsablauf fur den betreffenden Flugplatz moglichst genau zu ermitteln, auf welche Beziehungen ich infolge der Kiirze der Zeit nur andeutend eingehen kann. Spater waren genau determinierte Freilandserien anderer Lokalitaten zum Vergleich heranzuziehen.

Eines der bezeichnendsten Merkmale des Segelfalters ist die Gestalt seiner Fliigel. Zumal die Schwanzspitzen der Hinterfliigel werden mitunter als besonderes Rassemerkmal angegeben, ohne dass in der Literatur exakte Anga-ben iiber ihre Lange zu finden waren. Da neben einer Analyse der Farbung und Zeichnung der Falter auch die Fliigelform beriicksichtigt werden sollte, wurde ein Liniensystem entwickelt, nach welchem die Fliigelproportionen erfasst werden konnten (Abb. 1). Bedingung war die Preparation des Falters derart, dass die Hinterrander der beiden Vorderfliigel, d. h. distales und proximales Ende jeder 2. Analader auf einer Geraden lagen. Die Ver-bindung der beiden ausseren Vorderfliigelspitzen wurde als "Spannweite" bezeichnet, wahrend die grosste Lange der beiden Vorderfliigel zusammen mit der Thoraxbreite die "Flugspanne" ergibt (= weiteste Ausbreitung der Fliigel wahrend des Fluges). Der Hinterfliigel ergab folgende Masse: die "Hinterfliigellange" vom distalen Ende der 1. Cubitalader bis zum weitesten cranialwarts gelegenen Punkt des Hinterfliigels, die "Hinterfliigelgesamtlange"

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von eben diesem Punkt bis ans Ende des Schwanzfortsatzes der Media 3 (Hin-terfliigelgesamtlange weniger Hinterfliigellange ergibt die "absolute Schwanz-lange"), dazu wurde noch die "Hinterfliigelbreite" festgestellt (= Lot vom distalen Ende der Subcosta auf die Hinterfliigellange und Verlangerung dieses Lotes bis zum Schnitt mit dem Innenrand). Die Zahl der beriicksichtigten Masse ist mit den hier angegebenen nicht erschopft, sie sollen einer spateren Besprechung vorbehalten bleiben.

Abb. 1. Measurements for computing wing proportions. (Flugspanne = greatest wing expanse; Spanmveite = wing spread; Hfl. breite = width of hindwing; Hfl. Idnge — length of hindwing; Schwanzlange = tail length; Hint erflu gel gesamtlange = total length of hindwing)

Derartige Messungen sind, soweit mir bekannt, bisher in der Lepidopter-ologie sehr wenig verwendet worden, wenn man von gelegentlichen • Messungen der Vorderrandslange der Vorderflugel zur Grossenbestimmung absieht, wie sie wohl zuletzt von Beall und Williams (1945) zur Untersuchung der geo-graphischen Variation von Danaus plexippus ausgefuhrt wurden.

Um unmittelbar vergleichbare Werte zu erhalten, wurden aus den ab-soluten Massen Relativwerte berechnet, also ein kleinerer empirischer Wert in % eines grosseren ausgedriickt. Dieses Verfahren konnte teilweise auch auf die Bearbeitung von Zeichnungselementen erfolgreich angewendet werden. Besonders wertvoll sind diese Bezugszahlen deshalb, weil man mit verhaltnis-massig kleinen Serien noch statistisch brauchbares Material erhalt, da sonst sehr ungleiche Individuen derselben Art in dem Verhaknis ihrer Teile meist wenig voneinander abweichen, also die Streuung klein bleibt. So ergab sich zum Beispiel bei der geringen Anzahl von nur 21 Tieren eine nahezu ideale binomiale Verteiiung in der Variation eines Relanivwertes. Alle derart exakt greifbaren Merkmale wurden nach Moglichkeit variations-statistisch erfasst (M, m, V, v). Es konnte der Einwand erhoben werden, dass die Fliigel infolge ihrer mechanischen Beanspruchung im Leben der Falter einer fort-schreitenden Formveranderung unterliegen. Praktisch werden jedoch nur Freilandtiere erbeutet, die schon einige Zeit geflogen sind, sodass dieser Fehler

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wohl kaum ins Gewicht fallt und sich im Bereich der allgemeinen Fehlergrenze halten wird, die durch Messungenauigkeiten und verschiedene Deformationen wahrend der Preparation der Tiere bedingt sind.

Im Folgenden seien einige Ergebnisse mitgeteilt, welche dazu geeignet sind, die dargestellten Tatsachen zu erlautern und die Brauchbarkeit der Fliigelmasse fur feinere systematische Untersuchungen aufzuzeigen. Die grundlegenden Messiingen sind an Faltern eines engbegrenzten Flugplatzes an den Hangen des Maintals nordwestlich von Wiirzburg aus den Jahren 1947-51 durchgefiihrt worden. Zum Vergleich standen Freilandserien aus Oberbayern (Leizachtal) und Nordtirol (Brandenberg), ferner aus der Gegend nordlich Belgrad (Syrmien: Fruska Gora) und aus Kleinasien (Nordsyrien: Marasch im Zentral-Taurus) zur Verfiigung. Es ist mir eine angenehme Pflicht, fur die leiheweise Uberlassung des Vergleichsmaterials der Zoolo-gischen Sammlung des Bayerischen Staates sowie Herrn E. Pfeiffer in Munchen und Herrn Wolfsberger in Miesbach herzlich zu danken.

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Abb. 2. Iphiclides podalirius & from Unterfranken, 1st and 2nd generations.

Abb. 2 zeigt je einen unterfrankischen Segelfalter der 1. und 2. Generation. Besonders auffallend sind neben der bekannten Aufhellung des Abdomens und des Innenrandes der Hinterfliigel bei dem Sommertier die viel gestrecktere Fliigelform und die langeren Schwanzspitzen. Man hat den Eindruck, als ob der Sommerfalter trotz geringerer Spannweite grosser

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sei. Derartige Formverschiedenheiten miissen sich entsprechend in den Fliigel-massen auswirken.

Abb. 3 zeigt die Variabilitat der Grosse beider Generationen, dargestellt durch die Spannweite und Flugspanne, aufgezeichnet als Summenkurven in % der Haufigkeit jeder Grosseneinheit. Der Unterschied der beiden Generationen in der Flugspanne ist im Verhaltnis erheblich grosser als in der Spannweite. Ausserdem erheben sich die Kurven der Spannweite und Flugspanne bei den Friihjahrstieren viel sanfter, es miissen hier also bedeutend mehr kleine Tiere vorhanden sein, als in der Sommergeneration. Wir wollen diese Tatsache zur Kenntnis nehmen und werden spater noch einmal darauf zuriickkommen.

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mm

Abb. 3- Graph of variability of size in % of frequency for the two generations shown in Abb. 2. Left curves for Spannweite, right curves for Flugspanne. Heavy line gen. vern., light line gen. aest.

Um das Verhaltnis von Spannweite und Flugspanne in den beiden Generationen zahlenmassig zu erfassen, konnen wir Spannweite und Flugspanne m ihrer Abhangigkeit voneinander so darstellen, dass wir die Spannweite in % der Flugspanne ausdrlicken. Wir kommen damit zur "relativen Spannweite" (Abb. 4). Je weniger steil der Flugel und je grosser die Spannweite ist, desto hoher wird der Wert fiir die relative Spannweite sein, Wahrend umgekehrt steile Flugel eine kleine Spannweite bewirken und folglich auch einen kleinen Wert fiir die relative Spannweite ergeben. Somit ist die relative Spannweite der Ausdruck fiir die Steilheitendes Vorderfliigels und damit fiir das auffal-lendste Merkmal der Oberfliigelgestalt des Segelfalters.

Abb. 5 zeigt den grossen Unterschied in der relativen Spannweite zwischen 1. und 2. Generation der unterfrankischen Segelfalter im Vergleich der eingezeichneten Mittelwerte, zugleich wird deutlich, wie weit bei dem Relativmass sich schon das wenige Material an die Binomialkurven angleicht.

Wahrend die Friihjahrstiere der Jahrgange 1947-51 alle sehr einheitlich sind, unterscheiden sich die Sommerfalter des Jahres 1948 wesentlich von den ubrigen Sommertieren der genannten Jahrgange. Die sensible Periode

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Flugspanne

jSpa-nnuteite. .- steile fliigel

Abb. 4. Relative Spannweite for /. podalirius.

n in % der

Hiufaktl):

^- \

M

V*-

X^.

 
 

^>^

a-T^v^~.,—,___ —

Abb. 5. Graph showing difference in Spannweite for the two generations. (See Tab. II for full data.)

der Puppen der Sommerfalter 1948 fiel in nasskalte Witterung, die das Aussehen dieser Tiere in Richtung der Fruhjahrsgeneration modifizierte. Wir werden darauf bald zuruckkommen. Vergleicht man jedoch die Variations-breite der relativen Spannweite der Sommertiere 1948 mit denjenigen der Jahrgange 1947-50 (Abb. 6), so findet sich, dass sie von diesem Einfluss unberiihrt geblieben sind. Wir durfen also annehmen, dass diese Fliigel-proportion wenigstens der unterfrankischen Population durch normale Wit-terungseinflusse nicht modifizierbar ist.

Vergleicht man dagegen die relativen Spannweiten verschiedener geo-graphisch weit getrennter Populationen miteinander, so ergeben sich ganz erhebliche Unterschiede (Tabelle I). In der 1. Generation stimmen die

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Abb. 6. Relative Spanniueite: heavy line — gen. vern. 1947-51; dashed line = gen. aest. 1947-50; hatched area = gen. aest. 1948; dotted area = gen. aest. 1947, 49, 50. Full data in Tab. I.

Werte der oberbayerischen Stiicke genau mit den Werten der Unterfranken iiberein, wahrend die Werte der nordtiroler Form etwas hoher liegen. Dagegen liegen die Werte der 1. Generation aus Nordsyrien noch unter denen der unterfrankischen Sommergeneration. Sie weichen nur unwesentlich von denen der nordsyrischen Sommertiere ab, die wiederum niedriger sind als diejenigen der in sich einheitlichen jugoslavischen und unterfrankischen Sommertiere. Die 1. Generation der bearbeiteten kleinasiatischen Population weicht also in einem wesentlichen Merkmal von den Europaischen Faltern ab, ebenso lassen sich die alpinen einbriitigen Stiicke des Vergleichsmaterials ohne weiteres nach dem Durchschnitt ihrer relativen Spannweite von den Tieren aus den Mittelgebirgen Mitteleuropas abtrennen.

Abb. 7 zeigt die Variabilitat der relativen Schwanzlange (= Schwanzlange in % der Hinterfliigelgesamtlange) der unterfrankischen Tiere in % Verteilung. Noch besser als bei dem vorigen Merkmal tritt hier die beinahe ideale

zY~          IS             iV             ZS             Z6            17            28            If             30             31             31            33'A

Abb. 7. Variability of relative tail-length (in % of frequency of each class)

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the two generations. Full data in Tab. II.

Tabelle 1. RELATIVE SPANNWEITE OF THE TWO GENE SEPARATED POPULATIONS OF IPHICLID

Population

Jahr

gen. vern.

 

n$ M m — + cr

 

Unterfranken,

Maintal

nordwestlich von

Wiirzburg

1947

6 79 77.8 80.7

 

1948

10 78 76.6 81.9

 

1949

22 78 73.2 81.3

 

1950

23 78 75.0 81.9

 

1951

36 79 75.6 85.3

 

vern.

1947-51

aest. 1947-50

97 79 0.2 73.2 85.3 1.94

 

Oberbayern Leizachtal

1942, 45, 47, 48, 49, 50

19 79 0.6 73.9 83.4 2.61

 

Nordtirol Brandenberg

1939, 41, 44, 50

12 81 7.7 76.7 85.1 2.23

 

Nordsyrien Marasch im Zentral-Taurus

vern. 1930 aest. 1929

6 75 71.9 77.4

 

Syrmien Fruska-Gora

aest. 1935

   

* n = number of individuals, M = mean width, m = medium deviation of mean, -f v = variation coefficient.

Tabelle II. RELATIVE TAIL-LENGTHS OF THE TWO GENERATION

Population

Jahr

   

i

»en. vern.

             

n$

M

m

+

a

V

         

Unterfranken,

Maintal

nordwestlich von

Wiirzburg

1947

6

25

 

24.0

27.0

             

1948

10

25

 

22.0

27.0

             

1949

22

26

 

23.3

28.5

             

1950

23

26

 

23.1

27.8

             

1951

35

25

 

21.4

28.9

             

vern.

1947-51

aest.

1947, 49, 50

96

25

0.14

21.4

28.9

1.42

5.

         

Oberbayern Leizachtal

1942, 45, 47, 48, 49, 50

19

26

0.5

22.4

29.8

2.16

8.

         

Nordtirol

Rmndenhprp

1939, 41, 44, 50

11

23

 

20.3

25.9

             

Nordsyrien Marasch im Zentral-Taurus

vern. 1930 aest. 1929

6

27

 

25.3

28.3

             

Syrmien Fruska-Gora

aest. 1935

                       

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Angleichung an die Binomialverteilung hervor. Zugleich zeigen die Mittel-werte den grossen Unterschied in der Schwanzlange der beiden Generationen. Dieses Merkmal scheint modifizierbar zu sein. Die Werte fur die Tiere des kalten Sommers 1948 sind denen der unterfrankischen Fruhjahrsgeneration genahert (Tabelle II). Auch hier weisen die geographisch weit getrennten Populationen charakteristische Unterschiede auf: wiederum unterschieden sich die Alpentiere von denen der Mittelgebirge, wahrend die kleinasiatische Population auch in der Fruhjahrsgeneration grossere Werte als die Mitteleuropaer zeigt. Also auch hier ein charakteristischer Unterschied bereits in der 1. Generation! Im Gegensatz zur relativen Spannweite schliessen sich jedoch die jugoslavischen Sommertiere in ihrer relativen Schwanzlange an die Kleinasiatischen Sommertiere an.

Ein ahnliches Bild der Modifizierbarkeit ergibt die Ausdehnung der Gelbfarbung der Schwanzspitzen, ausgedriickt in % der Schwanzlange (Abb. 8) zeigt die Variabilitat der unterfrankischen Tiere. In der 2. Generation ist das Resultat des kalten Sommers 1948 gesondert hervorgehoben, die Ausdehnung des gelben Bereiches stimmt vollig mit demjenigen der 1. Generation uberein.

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Abb. 8. Variability of % of distal yellow in total length of tail. Heavy line = gen. vern. 1947-50; others as in Abb. 6. Full data in Tab. III.

Der tabellarische Vergleich (Tabelle III) ergibt wiederum ein anderes Bild. Die geringsten gelben Spitzen hat die nordtiroler Population. Die den frankischen ein. Die Friihjahrstiere aus Syrien zeigen innerhalb der 1. oberbayerischen Tiere nehmen eine Mittelstellung zwischen den alpinen und Generation die hellsten Schwanzspitzen. In der 2. Generation schliessen sich die Jugoslaven den Unterfranken der heissen Sommer an, wahrend die Schwanzspitzen der Kleinasiaten vom Taurus besonders extrem aufgehellt sind.

Ebenfalls modifizierbar ist die Farbung des Abdomens, doch will ich darauf noch nicht naher eingehen.

Tabelle III. RELATIVE DEVELOPMENT OF DISTAL YELLO GENERATIONS OF THE SAME POPUL

Population

Jahr

gen. vern.

 

n$ M m — + a

 

Unterfranken,

Maintal

nordwestlich von

Wiirzburg

1947

6 18 12.5 25.0

 

1948 10 16 8.8 20.5

 

1949

22 17 5.7 27.4

 

1950

23 19 14.8 22.7

 

1951

35 18 7.9 26.3

 

vern.

1947-51

aest.

1947, 49, 50

96 18 0.4 5.7 27.4 3.82 2

 

Oberbayern Leizachtal

1942, 45, 47, 48, 49, 50

19 14 7.5 19.6

 

Nordtirol Brandenberg

1939, 41, 44, 50

11 12 1.3 20.5

 

Nordsyrien Marasch im Zentral-Taurus

vern. 1930 aest. 1929

6 20 15.7 29.8

 

Syrmien Fruska-Gora

aest. 1935

   

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Es gibt aber auch Proportionsmerkmale, die in alien Populationen ganz gleichmassig variiren, sodass ihnen nichts besonderes zu entnehmen ist. Ein solches Merkmal ist das Verhaltnis Lange: Breite der Hinterflugel, die "relative Hinterfliigelbreite", ausgedriickt dutch die Breite in % der Lange (ohne Beriicksichtigung der Schwanzspitzen). Hier streuen alle Populationen beinahe einheitlich (Tabelle IV), nur die Sommertiere aus Syrien scheinen vielleicht mehr zufallig im Verhaltnis etwas breitere Hinterflugel zu haben.

Auch der $ -Genitalapparat eignet sich zur Rassendiagnose beim Se-gelfalter nicht, da er nach unveroffentlichen Untersuchungen meines Mitar-beiters Joh. Bubmann selbst bei weit getrennten Populationen keine Un-terschiede aufweist.

Aber nicht allein die Relativmasse, auch die absoluten Messergebnisse konnen Anregungen geben. Wir erinnern uns an die eingangs festgestellte Tatsache, dass in der Friihjahrsgeneration unverhaltnismassig viel mehr kleine Individuen anzutreffen waren, als in der Sommergeneration, was sich ent-sprechend im Variationspolygon der Spannweite ausdriickt (Abb. 9). Man erkennt hier die Komponente der kleinen Individuen deutlich in dem kleinen Gipfel links aussen. Es sind Hungertiere und wahrscheinlich iiber-wiegend Nachkommen der 2. Generation des Vorjahres. Diese ist an sich schon in Unterfranken in weit geringerer Individuenzahl vorhanden als die 1. Generation, dazu finden ihre Nachkommen im Spatsommer so schlechte Ernahrungsbedingungen vor, dass sicher viele Raupen gar nicht bis zur Ver-puppung kommen. Der Rest liefert wohl die Zwerge des nachsten Fnihjahrs, sodass wir mit einiger Wahrscheinlichkeit die grossen Individuen als un-mittelbare Nachkommen der Friihjahrsgeneration des Vorjahres und die kleinen als Nachkommen der Sommergeneration werten konnen.

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Abb. 9- Variation polygon for the Spannweite of the two generations. Open area = gen. vern.; dotted area = gen. aest. Means of both gen. vern. si2e groups computed separately.

Tabelle IV. RELATIVE BREADTH OF HINDWING (IN % OF LEN IN THE TWO GENERATIONS OF THE SAME

Population

Jahr

   

gen. vern.

           

n<£

M

m

+

<i

         

Unterfranken,

Maintal

nordwestlich von

Wiirzburg

1947

6

56

 

54.8

57.3

           

1948

10

57

 

54.8

58.9

           

1949

22

55

 

49.0

58.3

           

1950

23

57

 

53.6

59.3

           

1951

36

56

 

53.2

59.9

           

vern. 1947-51

aest. 1947-50

97

56

0.2

49.0

59.9

1.78

       

Oberbayern Leizachtal

1942, 45, 47, 48, 49, 50

19

55

0.5

51.8

59.1

2.12

         

Nordtirol

Rm r>rl^r»K*ir rr

x-^l.uv.^v.^

1939, 41, 44, 50

12

56

0.8

51.7

59.5

2.68

         

Nordsyrien Marasch im Zentral-Taurus

vern. 1930 aest. 1929

6

56

 

52.0

61.1

         

Syrmien Fruska-Gora

aest. 1935

                     

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Die dargestellten Beispiele sind ein kleiner Ausschnitt aus einem um-fangreichen Material, das viele Fragen aufwirft. Da sicher nicht wenige Merkmale modifizierbar sind, wird man in der Beurteilung von geographischen Rassen vorsichtig sein miissen, wenn nicht geniigend Serien aus mehreren Jahren vorhanden sind. Wir sind dabei, die Modifizierbarkeit der Merkmale des Segelfalters experimentell zu priifen, doch liegen hier noch keine ab-schliessenden Ergebnisse vor, Auch soil die Untersuchung relativer Propor-tionsmasse vergleichend an anderen Schmetterlingen ausgefiihrt werden.

Ich bin mit meinen Ausfiihrungen am Ende. Ich weiss, dass auch die geschilderten Proportionsmerkmale langst nicht in alien Fallen taxonomisch anwendbar sind, doch wiirde dieser Hinweis vollig geniigen, wenn sie in einigen Fallen mit Erfolg zur Klarung strittiger Fragen beigezogen werden konnten.

Literatur:

Beall, G. and C. B. Williams, 1945. Geographical variation in the wing-length of

Danaus plexippus L. Proc. Roy. Ent. Soc. London, Ser. A., vol. 20: pp. 65-76. Burgeff, H., 1951. Die Meeralpengrenze der Zygaenen (Lep.). Biol. ZB1., bd. 70:

pp. 1-23. Kiihn, A. und K. Henke, 1929- Genetische und entwicklungsphysiologische Untersuch-

ungen an der Mehlmotte Ephestia Kuhniella Zell. Abb. Ges. Wiss. Gottingen,

Matb.-Phys. Kl. N. F., bd. 15, 1. Lempke, B. ]., 1932-33. La morphologie d'lphiclides podalirius L. Lambillionea. Rensch, B., 1926. Rassenkreisstudien bei Molluscen. Zool. Anz., bd. 67: pp. 253-263.

ZUSAMMENFASSUNG

Die vorliegenden Untersuchungen betreffen die normale Variabilitat bestimmter Fliigelproportionen der beiden Generationen des Segelfalters (Iphi-clides podalirius L.) im VergJeich miteinander. Unterschiede zwischen Generationen und geographischen Rassen werden bei Lepidopteren im allgemeinen durch Worte beschrieben, die selbst bei guter Kenntnis der betreffenden Art recht verschiedene Deutung zulassen. Dem gegeniiber wurde bei Freilandserien einer Population aus dem Maintal nordwestlich von Wurzburg in den Jahren 1947 bis 1951 versucht, an den genannten Merkmalen objektive Zahlenwerte zu ermitteln. Zum Vergleich standen einige Freilandserien von anderen Fund-orten zur Verfiigung.

Durch Verbindung bestimmter Messpunkte an den Fliigeln ergaben sich Masseinheiten, welche die Berechnung vergleichbarer Relativwerte erlaubten. Der Vergleich zeigt in den meisten Fallen durchaus charakteristische Unterschiede der Generationen, wie auch der verschiedenen teilweise sehr weit voneinander entfernten Populationen.

SUMMARY

The analysis discussed concerns normal variability of certain wing proportions of the two generations of the Segelfalter Swallowtail (Iphiclides podalirius L.) in comparison with each other. Differences between generations and geographic races have generally been described by lepidopterists by words, which permit different interpretations even by lepidopterists who know the species well. In the present paper an attempt was made to discover objective data on

1952

The Lepidopterists' News

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the named characteristics in open-country series of a population from the Main-valley northwest of Wurzburg, Germany, in 1947-1951. Comparisons of some open-country series from other places were available. By connection of certain measure-points on the wings, measure units resulted, which allow the calculation of comparable relative data. This comparison shows in most cases absolutely characteristic differences in the generations, also in the different populations, some quite far distant from each other.

Zoologische Institut der Universitat, Wurzburg, Germany

DISCUSSION OF PROF. WOHLFAHRTS PAPER

Prof. M. HERING, Berlin, remarks that: "Bei der grossen Flugtiichtigkeit der Art hake ich es fiir moglich, dass successive Einfliige von Faltern von benach-barten Subspecies, in verschiedenen Jahren verschieden stark, erfolgen und die Resultate verfalschen."

Prof. LORKOVIC, Zagreb, says: "Die Untersuchungen WOHLFAHRTS sind zu Begriissen, da es endlich Zeit ist subjektives Betrachcen aus der Systematik entfernen und mit objekiven Messmethoden zu arbeiten."

Prof. HERING remarks also: "Im Hinblick auf die vom Vortragenden'ver-wendete Bezeichnung "Rasse" muss dringend darauf hingewiesen werden, dass nach vielen Bemuhungen die Nomenklatur-Kommission fiir die Kategorie unterhalb der Species die internationale Bezeichnung "Subspecies" als verbind-lich geschaffen hat. Die Verwendung von "Rasse" schafft nur Verwirrung, denn: Priori tat hat die Haustirrasse fiir diese Bezeichnung. Der Beginn dieser Verwirrung geht auf den Gebrauch bei Rensch zuriick, der das zuerst von Kleinschmidt in seiner "Formenkreis-Lehre" gebrachte bedankengut iiber-nahm und nur "Formenkreis" durch "Rassenkreis" ersetzte. Ungliicklicherweise hat der Terminus Rasse eine gewisse Verbreitung gefunden, und es muss davor gewarnt werden, durch seine Verbreitung die muhevolle Arbeit der Nomenklatur-Kommission auf dem Gebiete der Schaffung international einheitlicher Termini zur zerstoren,"